Inhaltsverzeichnis
Von der Idee zur Marke
Nach dem Modul Logodesign folgte mit Modul 8 der nächste Schritt: Corporate Design. Diesmal ging es nicht nur um ein Logo, sondern um ein komplettes Erscheinungsbild – von der Namensfindung bis zum Produktmockup.
Zur Auswahl standen zwei Themen: ein Transportunternehmen oder ein Naturkosmetiklabel. Ich habe nicht lange gezögert. Ich verwende zwar kaum Kosmetik – aber wenn, dann mit einem klaren Faible für Naturprodukte. 😉 Und vor allem: Das Thema liess sich mit dem verbinden, was mich gerade umgibt. Ich lebe in Nordschweden. Die Natur hier ist rau, still und sehr konkret. Das wollte ich gestalten.
Namensfindung: Norr Essence
Zu Beginn stand keine fertige Idee, sondern ein Sammeln von Assoziationen. In einer Mindmap hielt ich Begriffe und Stimmungen fest, die für nordische Natur und Naturkosmetik stehen könnten: Nordlicht, Fjäll, Klarheit, Reinheit, Weite. Rückblickend war der spätere Name bereits darin angelegt – zunächst als «Nør» oder «Nor Essence», und sogar «Norr Essence» tauchte bereits in Klammern auf.
Der Name begleitete den Prozess also früher, als mir zunächst bewusst war. Wirklich entschieden war er aber erst später – und fühlte sich dann sofort stimmig an: Norr Essence.
«Norr» ist schwedisch für «Norden» und verweist auf Norrland – Lappland, Norrbotten, weite Wälder, Moore, Birken. «Essence» steht für das Wesentliche, für Konzentration auf das Nötige.
Der Name verbindet Herkunft und Haltung. Er klingt ruhig, ist international verständlich und lässt sich erklären, ohne erklärt werden zu müssen.
Claim: Pflege aus der Essenz des Nordens.
Drei Logos, drei Haltungen
Zur Aufgabenstellung gehörte die Ausarbeitung von drei unterschiedlichen Logos. So entstanden drei unterschiedliche Ansätze, welche alle inspiriert von der nordischen Natur sind.
Variante A – Die Moltebeere
Die Moltebeere (schwedisch: Hjortron) wächst wild in den subarktischen Mooren Nordschwedens. Sie ist selten, nicht kultivierbar, reich an Vitaminen – und hat eine goldene Farbe, die sich unmittelbar für ein Kosmetik-Logo anbietet. Sie wird auch «das Gold des Nordens» bezeichnet.
Das entstandene Logo ist stark abstrahiert und kompakt. Als Farbe habe ich ein warmes Gold gewählt – einen bewussten Kontrast zur kühlen nordischen Bildwelt. Das Symbol klingt warm, während der Name kühl bleibt.

Typografie: Cormorant SC (Kapitälchen)
Gestaltungsregeln:
- x = Breite der Moltebeere
- Schrifthöhe: ca. 1/3 x
- Abstand Symbol zur Schrift: ca. 1/2 x
- Logo-Schutzzone = x
Feedback: Hier ist insgesamt das Bildelement und die Schrift sehr gut kombiniert worden und bildet eine schöne und ästhetisch wirkende Einheit.
Variante B – Der Nordlichtbogen
Abstrakte, fliessende Linien in Grün- und Blautönen. Modern, fast grafisch-technisch. Das Nordlicht als Phänomen steht für Reinheit, Energie, natürliche Bewegung – und ist trotzdem schwer greifbar. Das spiegelt sich in dieser Variante.

Typografie: Inter mit leichtem Letter Spacing
Gestaltungsregeln:
- x = Höhe des oberen Nordlicht-Balkens auf der linken Seite
- Schrifthöhe: ca. 65% von x
- Logo-Schutzzone = x
Feedback: Kühl und klar, mit etwas Beruhigendem darin. Die Schrift hätte etwas grösser sein können.
Variante C – Berg mit Nordlicht
Die bergige Silhouette steht für Stabilität, der Bogen darüber für Leichtigkeit. Grafisch reduziert, mit klaren Linien.

Typografie: Libre Franklin
Gestaltungsregeln:
- x = Höhe von Berg mit Nordlicht-Bogen
- Schrifthöhe: ca. 1/3 x (gleichzeitig auch Abstand Bild – Text)
- Logo-Schutzzone = x
Feedback: Die Proportionen im Bildelement könnten noch etwas angepasst werden. Der grüne Halbmond wirkt etwas zu gross für die Bergwipfel.
Die Entscheidung
Ich habe kleine Feedbackrunden mit Freundinnen und Freunden gemacht. Das Ergebnis war eindeutig: Frauen bevorzugten die Moltebeere, Männer eher das Nordlicht. Da sich die Marke an Frauen richtet, war die Entscheidung damit fast schon getroffen.
Aber auch gestalterisch war ich überzeugt. Das Moltebeeren-Logo wirkt emotionaler und menschlicher als die Nordlichtvarianten. Es hat eine Wärme, die die anderen nicht haben. Und es funktioniert auch in sehr kleiner Grösse – auf einer Visitenkarte, auf der Homepage oder auf einem Etikettenlabel.
Vom Logo zur Marke: die Anwendungen
Hier begann der Teil, der mich am meisten forderte – nicht weil er technisch schwieriger war, sondern weil ich plötzlich mit einem Produkt arbeiten musste, das ich kaum kenne. Ich gestalte lieber für Dinge, die mir vertraut sind. Aber vielleicht ist genau das die Übung.
Gestaltungsregeln
Hinter den Anwendungen stand ein einfaches, aber bewusst definiertes Gestaltungssystem. Schutzzone, Texthöhe und Abstand zwischen Symbol und Schrift sind proportional definiert – damit das Logo auf allen Medien konsistent wirkt, vom Briefbogen bis zur Produktverpackung.
Typografie:
- Logo: Cormorant SC (Kapitälchen) – klassisch, ruhig, naturverbunden.
- Fliesstext & Anwendungen: serifenlose Ergänzung für Klarheit
Farbwelt:

Schutzzone

- Schutzzone: Eine Beerenbreite = x
- Texthöhe: ca. 1/3 x
- Abstand Symbol-Schrift: ca. 1/2 x
Briefbogen und Visitenkarte
Hier zeigte sich für mich erstmals, ob das Logo auch ausserhalb der Entwurfsphase funktioniert. Briefbogen und Visitenkarte mussten nicht nur gut aussehen, sondern ein ruhiges und konsistentes Erscheinungsbild schaffen.
Der Briefbogen blieb bewusst zurückhaltend gestaltet: klare Hierarchie, viel Weissraum und eine dezente gebogene Linie im unteren Bereich, die sich später auch in anderen Anwendungen wiederfindet.
Auch die Visitenkarte greift diese Linie auf und verbindet Vorder- und Rückseite gestalterisch miteinander. Im Feedback wurde empfohlen, die Mittelachse konsequenter einzuhalten und auf die Icons zu verzichten – ein berechtigter Hinweis.

Fahrzeugbeschriftung
Auch die Fahrzeugbeschriftung folgt dem reduzierten Erscheinungsbild – mit dezenter Platzierung und guter Fernwirkung.
Hier zeigte das Feedback aber einen berechtigten Schwachpunkt: Logo und Adresse stehen auf der Autotür ohne gestalterische Verbindung. Die Klarheit der übrigen Anwendungen erreicht diese Variante noch nicht.

Etiketten und Produktmockups
Dieser Teil war für mich ungewohnter als der Rest des Projekts. Nicht technisch – sondern inhaltlich. Ich verwende selbst kaum Kosmetik und hatte deshalb zunächst wenig Vorstellung davon, wie solche Produkte wirken oder gestaltet werden.
Ein Teil entstand deshalb über Recherche – und ja, auch mit etwas Unterstützung von Google und KI. Besonders Freude machten mir dabei die Etiketten selbst. Die Moltebeere als Muster und Gestaltungselement weiterzudenken, verschiedene Bildwelten auszuprobieren und natürliche Strukturen einzubeziehen, fühlte sich überraschend stimmig an.
Die Produkte selbst waren für mich dabei weniger vertraut als die Gestaltung darum herum – und vielleicht machte gerade das die Aufgabe interessant.
Rein. Klar. Naturverbunden. – drei Wörter, die hier plötzlich Sinn ergaben.


Das Feedback
Die Rückmeldung zum Modul war wertschätzend und zugleich präzise. Gerade diese Mischung empfand ich als hilfreich – sie zeigte nicht nur, was bereits trägt, sondern auch, wo noch mehr Klarheit möglich gewesen wäre.
Positiv aufgenommen wurden die Verbindung von Bild und Schrift bei Variante A, die ruhige Klarheit von Variante B sowie die bewegteren Bildelemente in Variante C. Auch die Anwendungen wurden insgesamt als ästhetisch und stimmig wahrgenommen – besonders die Verpackungen und Produktdarstellungen.
Nicht alles funktionierte gleich gut. Bei der Fahrzeugbeschriftung fehlte die gestalterische Verbindung zwischen Logo und Adresse, bei Variante C wirkten die Proportionen noch nicht ganz ausgewogen, und bei der Visitenkarte wurde empfohlen, die Mittelachse konsequenter einzuhalten und auf die Icons zu verzichten.
Alles nachvollziehbare Hinweise. Besonders hilfreich fand ich daran, dass sie nicht pauschal blieben, sondern konkret zeigten, wo Gestaltung bereits trägt – und wo noch mehr Klarheit möglich gewesen wäre.
Das Corporate Design ist auch somit noch ausbaufähig – schön.
Feedback aus dem Leistungsschein der OfG
Diesen Satz habe ich weniger als Kritik gelesen, sondern eher als Einladung.
Mein Fazit
Dieses Modul hat mir gezeigt, dass ein Logo eigentlich erst der Anfang ist. Wirklich sichtbar wird eine Marke erst dann, wenn sie auf verschiedenen Medien bestehen muss.
Die Verbindung zu Nordschweden wurde dabei zu meinem Anker. Ich musste keine Stimmung erfinden, sondern konnte etwas gestalten, das ich kenne.
Mitgenommen habe ich vor allem dies: Eine gute Idee allein reicht nicht – erst Konsequenz macht daraus ein Erscheinungsbild. Und Feedback hilft dort am meisten, wo es konkret wird.
Ausblick
Inzwischen habe ich den Grafikdesign-Kurs bei der OfG abgeschlossen. Dazwischen lagen aber noch weitere Module – unter anderem Marketing und Screendesign, aus dem später auch das Redesign meiner Homepage entstand. Einige davon werde ich hier noch aufgreifen.
Und die Moltebeere verschwand auch nicht wieder. Das Motiv gefiel mir so gut, dass daraus später sogar eigene Produktdesigns entstanden.

Wenn du Fragen zu meinem Lernprozess oder zum Thema Corporate Design hast, freue ich mich über den Austausch.
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