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Nära naturen. Nära livet. – Eine Imagekampagne für Glommersträsk

Winterlandschaft Glommersträsk Titelbild für Imagekampagne

Gestalten, was man kennt

Modul 9 des OfG-Kurses lautete: Imagekampagne für eine Stadt oder Region. Logo entwerfen, Slogans entwickeln, drei Anzeigen gestalten.

Für die Aufgabe hätte ich jede beliebige Stadt wählen können. Ich habe mich für Glommersträsk entschieden – das Dorf in Schwedisch Lappland, in dem ich lebe.

Der Grund dafür ist einfach: Es fällt leichter, die Besonderheiten eines Ortes sichtbar zu machen, wenn man sie selbst erlebt. Ich kenne die langen Winter, die hellen Sommernächte, die Stille der Wälder und die Weite der Landschaft. Je mehr Zeit ich hier verbringe, desto besser verstehe ich, was diesen Ort so besonders macht.

Wer von etwas begeistert ist, erkennt oft die Details, die anderen verborgen bleiben. Genau diese Atmosphäre wollte ich in der Kampagne zeigen. Nicht das Lappland aus Reisekatalogen, sondern Glommersträsk, wie ich es erlebe.

Das ist ein Vorteil – aber auch eine Verantwortung. Denn seine Stärke liegt nicht in spektakulären Attraktionen oder grossen Versprechen, sondern in der Ruhe, der Natur und dem Gefühl, dass hier vieles etwas langsamer werden darf.

Was eine Imagekampagne leisten soll

Eine Imagekampagne für eine Region hat eine schwierige Aufgabe: Sie muss gleichzeitig ansprechen und ehrlich bleiben. Werbung lügt nicht – aber sie wählt aus. Die Frage ist, was man zeigt und was man weglässt.

Ich habe mich von Anfang an gegen laute Tourismuswerbung entschieden. Keine Superlative. Kein «entdecke das unberührte Lappland!». Stattdessen ein subtiles, ehrliches Bild – für Menschen mit einer Sehnsucht nach Entschleunigung und echter Natur.

Der Claim fasst das in vier Wörtern zusammen:

Nära naturen. Nära livet. (Nah an der Natur. Nah am Leben.)

Zwei Sätze, je drei Wörter. Mehr braucht es eigentlich nicht.

Das Logo: ein Stück Topografie

Das Logo von Glommersträsk zu gestalten hat mir besonders Spass gemacht. Es war eine weitere Gelegenheit, das Gelernte aus den Modulen zu Logodesign und Corporate Design in einem realistischen Projekt umzusetzen.

Nära naturen. Nära livet. – Eine Imagekampagne für Glommersträsk | Glommersträsk
Nära naturen. Nära livet. – Eine Imagekampagne für Glommersträsk | Glommersträsk

Die Inspiration kam von der Webseite von Glommersbygden – dort gibt es ein Bild mit der Bergsilhouette hinter dem Dorf. Diese Silhouette habe ich aufgegriffen und zu einem Logo abstrahiert.

Der Aufbau folgt der tatsächlichen Topografie des Ortes: Oben die Silhouette des Hügels, in der Mitte – wo sich der Wald erstreckt – der Schriftzug «Glommersträsk», unten die Wasserlinien, die den See (das «Träsk») andeuten. Das Logo ist untrennbar mit dem Ort verbunden. Seine Formen leiten sich direkt aus der Landschaft ab.

Ein Detail, das mir wichtig war: Die beiden Punkte des «ä» sind in der Akzentfarbe gesetzt – einem warmen Erdton, der in der sonst kühlen, moosgrünen Komposition eine menschliche Note einbringt.

Das Feedback hat angemerkt, dass die Linien insgesamt etwas zart geraten sind – das Logo könnte etwas stärker in der Linienführung und etwas grösser sein. Das stimmt. Normalerweise kämpfe ich eher mit dem Gegenteil: zu viele Elemente, zu wenig Weissraum, zu viel auf einmal. Für diese Arbeit habe ich bewusst versucht, zurückhaltender zu gestalten. Beim Logo hat das möglicherweise dazu geführt, dass die Linien etwas zu zart geraten sind.

Farben und Typografie: die Palette von Schwedisch Lappland

Die Farbpalette entstand nicht am Bildschirm, sondern draussen in der Landschaft:

#3A4240 – das kühle Dunkelgrau von Gestein und Waldkanten
#4F5D52 – ein ruhiger Mooston für die Schrift
#6F7F86 – das gedeckte Blaugrau der Seen
#8B6B4E – Erdton, Holz, Torf, das Menschliche
#F2F1EC – fast weiss, wie Schnee, wie Weite, wie Stille

Bewusst keine reinen, gesättigten Farben. Die Palette orientiert sich an den Farben von Nebel, Wasser, Moor und Wald – nicht an einem Reiseprospekt.

Typografisch arbeite ich mit zwei Schriften: Cormorant SC für den Logo-Schriftzug (klassisch, nordisch, zeitlos) und Lora für Slogans und Fliesstext (modern, freundlich, leserlich). Eine Balance zwischen Identität und Emotion.

Drei Plakate, drei Facetten

Die drei Anzeigen folgen demselben Gestaltungsprinzip: grosszügiger Weissraum oben und unten, ein zentrales Foto, ein prägnanter Slogan im Bild, Claim und Logo am unteren Rand. Und oben, losgelöst vom Logo, der Ortsname – prominent, sofort erkennbar.

Die Illustrationen, die den Ortsnamen begleiten – stilisierte Vögel, Nordlichter und ein Husky – greifen das Thema der jeweiligen Anzeige auf. Mir hat die Idee gefallen, den Ortsnamen nicht einfach nur zu setzen, sondern ihn gestalterisch mit dem Motiv zu verbinden.

Plakat 1 – «Där stillheten bor.» 

(Wo die Stille wohnt.)

Nära naturen. Nära livet. – Eine Imagekampagne für Glommersträsk | Glommersträsk

Ein Vogelturm am Ufer des Träsk in der Dämmerung. Orange Himmel, gefrorener See, Schnee. Das Bild braucht keinen Kommentar – aber der Slogan gibt dem Gefühl einen Namen.

Plakat 2 – «Där vintern är vinter.» 

(Wo der Winter Winter ist.)

Glommersträsk Imagekampagne Ayla

Dieses Plakat ist das persönlichste. Der Hund auf dem Foto ist Ayla. Das Bild entstand auf einem Waldweg in der Nähe, inmitten einer tief verschneiten, unberührten Landschaft. Es war kein gestelltes Bild. Es war ein Morgen im Januar.

Der Slogan sagt, was das Bild zeigt: Hier ist Winter nicht ein bisschen Kälte und nassgrauer Himmel. Hier ist Winter Winter.

Plakat 3 – «Där himlen dansar i tystnad.» 

(Wo der Himmel in Stille tanzt.)

Glommersträsk Imagekampagne Nordlicht

Das spektakulärste Motiv – aber nicht als Spektakel inszeniert. Nordlichter über Hausdächern und Strassenlaternen. Kein einsames Bergpanorama, keine klassische Touristik-Kulisse, sondern das Nordlicht über dem Alltag. Deshalb auch das dunklere Layout bei dieser Anzeige: Bild und Text werden zur Einheit.

«Dansar i tystnad» – tanzt in Stille. Das ist kein Widerspruch. Es ist genau das, was man erlebt, wenn man nachts draussen steht und zuschaut.

Die Eyecatcher: was funktioniert hat – und was nicht

Jede Anzeige hat oben rechts eine kleine Illustration als Eyecatcher – thematisch zum Plakat passend. Für Plakat 2 wollte ich zunächst etwas Besonderes: statt eines abstrakten Tiermotivs eine Illustration von Lina.

Icon Eyecatcher Lina

Die Zeichnung existiert – und sie hat Charakter. Als kleines Element oben rechts im Plakat hat sie jedoch nicht funktioniert. Die Details waren zu fein und gingen in der kleinen Darstellung verloren. Deshalb habe ich mich letztlich für einen Husky entschieden, dessen Silhouette sofort erkennbar ist und gut zur nordischen Atmosphäre der Kampagne passt.

Die Illustration von Lina habe ich trotzdem behalten. Sie ist zu schön, um zu verschwinden.

Das Feedback

Die Rückmeldung zur Arbeit war insgesamt positiv. Besonders hervorgehoben wurden die atmosphärischen Fotografien, die klare Struktur der Anzeigen und die Illustrationen, die den Ortsnamen begleiten. Vor allem das Zusammenspiel dieser Elemente wurde als stimmig wahrgenommen.

Gleichzeitig gab es einige Hinweise zur Weiterentwicklung: Das Logo könnte in der Linienführung kräftiger und insgesamt etwas präsenter sein. Auch die farbigen Flächen hinter den Headlines dürften zurückhaltender eingesetzt werden, damit die Fotografien stärker wirken können.

Diese Anmerkungen kann ich gut nachvollziehen. Beim Logo war ich bewusst zurückhaltend, vielleicht zu zurückhaltend. Und bei den Headlines habe ich mich zugunsten der Lesbarkeit für mehr Hintergrundfläche entschieden, als letztlich nötig gewesen wäre.

Interessant fand ich zudem den Hinweis, bei der Nutzung von KI-Tools auch die verwendeten Prompts einzureichen. Das ist nachvollziehbar, gleichzeitig empfinde ich kreative Arbeit mit KI selten als Ergebnis eines einzelnen Prompts. Für mich ist sie eher ein iterativer Dialog – ein Sparringspartner für Ideen, Formulierungen oder Perspektiven. Die gestalterischen Entscheidungen, Illustrationen und Ausarbeitungen treffe und erstelle ich jedoch selbst. Ein einzelner Prompt würde diesen Weg nur unvollständig abbilden.

Mein Fazit

Diese Aufgabe war die bisher persönlichste im OfG-Kurs – nicht weil sie besonders emotional war, sondern weil ich über etwas gestaltet habe, das mir vertraut ist und viel bedeutet.

Was ich mitgenommen habe: Authentizität ist keine Methode. Sie entsteht, wenn man gestaltet, was man kennt. Und manchmal ist der stärkste Slogan der, der das Offensichtliche ausspricht – weil alle es fühlen, aber niemand es so gesagt hat.

Där vintern är vinter. Das klingt nach nichts. Und nach allem.

Die nächste Station: Screendesign – und damit zurück zur Webseite, die du gerade liest. 😉