Kürzlich kam in einem Gespräch diese Aussage auf, die mich sofort aufregte: «Du musst der Chef über deine Hunde sein.» In meinem Kopf entstanden negative Bilder. «Chef-Sein» verbinde ich in diesem Zusammenhang oft mit Dominanz-Gehabe. Das hat eher den Touch eines Tyrannen, der unfair, grob und laut ist. Jemand, der Bedürfnisse übersieht und nur den eigenen Nutzen im Sinn hat. Ein solches Bild von Herrschaft lehne ich ab.
Doch dann kam mir ein Gedanke: Ich erkenne Jesus Christus als meinen Herrn an. Und bei Ihm habe ich diese negativen Assoziationen überhaupt nicht. Warum eigentlich?
Ein ganz anderer Herr
Der Herr Jesus sagt von sich selbst, dass Er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Er ist das Licht, das Brot und der gute Hirte. Gott liebt uns so sehr, dass Er Seinen Sohn hergab. Das ist das Gegenteil eines Tyrannen.
Warum übergebe ich dem Herrn Jesus gerne mein Leben, während ich mich bei meinen Hunden gegen den Gedanken wehre, ihre «Herrin» zu sein? Ich habe nicht sofort eine Antwort darauf gefunden. Aber dann ist mir aufgefallen: Menschen können Macht missbrauchen. Darum bin ich bei jedem «Chef» vorsichtig, auch bei mir selbst. Bei Gott ist das anders. Er ist gut, und in Ihm ist keine Finsternis (1. Joh. 1,5). Ihm kann ich mein Leben anvertrauen.
Leitplanken aus Liebe
Meine Hunde hatten keine Wahl, als sie bei mir einzogen. Sie haben mir ihr Leben anvertraut, ohne es zu wissen. Das macht mich demütig. Die Frage ist dann nicht: Darf ich Herrin sein? Sondern: Bin ich dieses Vertrauens würdig?
Ich habe mich gefragt: Bin ich nicht auch eine Art «guter Hirte» für meine Hunde? Ich sorge für sie und möchte ihr Bestes. Die Regeln, die ich aufstelle, dienen nicht dazu, sie zu knechten. Sie sind ein Fundament, eine Leitlinie in einer Welt, die für einen Hund oft zu komplex sein kann.
Genauso gibt uns der Herr Jesus Gebote. Er sagt: «Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote.» (Joh. 14,15) Diese dienen uns als Leitplanken für unser Leben und sind ein Fundament, auf dem wir sicher stehen können.
Natürlich hinkt der Vergleich an manchen Stellen. Ich glaube nicht, dass Hunde so weit über Regeln und deren Sinn nachdenken wie wir Menschen. Sie lernen durch Erfahrungen und merken sich, was sich lohnt und was nicht. Trotzdem denke ich, dass meine Hunde sehr wohl merken, ob ich sie und ihre Bedürfnisse ernst nehme. Sie erleben, ob sie mir vertrauen können und ob sie sich bei mir sicher fühlen.
Wer führt dein Leben?
Und das führt mich zu einer Frage, die nicht nur mich betrifft: Wem vertrauen wir uns an? Wir alle folgen in unserem Leben irgendwas oder irgendwem. Oft versuchen wir, selbst der «Chef» zu sein. Dabei merken wir, wie unsicher und überfordert wir eigentlich sind.
Gott hat uns die Schöpfung und die Tiere anvertraut. Wir können an ihnen lernen, was es bedeutet, Verantwortung in Liebe zu tragen. Wenn ich meine Hunde führe, übe ich mich eigentlich in einer kleinen Form der Nachfolge. Ich lerne, geduldig zu sein und eine Führung anzubieten, die Schutz bietet, statt Angst zu machen. Aber wenn ich ehrlich bin, brauche ich selbst jemanden, der mich führt.
Die Bibel sagt: «Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg.» (Jes. 53,6) Das trifft auch auf mich zu. Wir wollen unseren eigenen Weg gehen, und oft führt er uns weg von Gott. Die Bibel nennt das Sünde, und sie trennt uns von Gott. Doch der gute Hirte lässt uns nicht verloren gehen. Er hat sein Leben für seine Schafe gegeben (Joh. 10,11). Am Kreuz hat Er unsere Schuld auf sich genommen, damit sie uns vergeben werden kann.
Der Herr Jesus will mehr als Gehorsam von uns. Er will, dass wir Ihn kennen. «Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach.» (Joh. 10,27) Das ist keine blosse Regelbefolgung, sondern eine lebendige Beziehung. Jesus nennt uns Freunde (Joh. 15,15).
Einladung zum Vertrauen
Ein Hund an der Leine einer vertrauten Person ist nicht unfrei, sondern geborgen. Vielleicht ist heute der Tag, an dem du die «Leine» deines Lebens demjenigen übergibst, der dich besser kennt als du dich selbst: Jesus Christus.
Bin ich die Herrin meiner Hunde? Ja, aber ich möchte es so tun, wie der Herr Jesus es mir vorlebt: mit Liebe, Geduld und dem Wunsch, dass sich die mir Anvertrauten bei mir sicher fühlen.
Darf der Herr Jesus auch dein guter Hirte sein?
«Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.»
Psalm 23,1

